Beschreibung
Schreiben mit Künstlicher Intelligenz, bzw. Nutzung eines Large Language Models wie z.B. Chat GPT, bedeutet nicht, dass die KI den Text schreibt. In dieser Unterrichtsidee lernen die Schülerinnen und Schüler, KI gezielt als Schreibpartnerin und Lernhilfe einzusetzen: beim Formulieren, beim Überarbeiten, beim Prüfen von Argumenten oder beim Finden sprachlicher Alternativen. Der Fokus liegt nicht in erster Linie auf dem fertigen Schreibprodukt, sondern auf dem Schreibprozess – dort, wo Lernen sichtbar wird. KI erweitert dabei die Rückmeldemöglichkeiten im Schreibprozess, denn sie ist unmittelbar verfügbar und kann wiederholt befragt werden. Wirksam werden die Rückmeldungen jedoch erst, wenn die Schreibenden ihr Anliegen präzise formulieren und die Antworten kritisch prüfen.
Die Unterrichtsidee zeigt anhand verschiedener Aufgaben exemplarisch auf, wie Schreibförderung, Medienbildung und digitale Anwendungskompetenzen zusammengeführt werden können: KI wird weder verboten noch unkritisch genutzt, sondern als Werkzeug in einem bewusst gestalteten Schreiblernprozess erprobt, dokumentiert und reflektiert. Die einzelnen, unten vorgeschlagenen Aufgaben setzen je einen anderen Fokus auf die Zusammenarbeit zwischen Schülerinnen und Schülern und KI und können auch unabhängig voneinander umgesetzt und reflektiert werden.
Neben den gezielt eingeholten Rückmeldungen der KI finden im Schreibprozess auch digitales Peer- und Lehrpersonenfeedback statt. Die Schülerinnen und Schüler verbinden menschliche Rückmeldungen, KI-Feedback und eigene Entscheidungen. KI-Feedback ersetzt dabei weder Peer-Feedback noch die Rückmeldung der Lehrperson, sondern erweitert diese.
Die begleitende Reflexion des KI-Einsatzes macht dieses Unterrichtsbeispiel zu einem wertvollen Lernfeld. Mithilfe von Umfragen (z. B. mittels «Microsoft Forms») zu mehreren Zeitpunkten wird sichtbar, wie die Schülerinnen und Schüler den Einsatz von KI vor, während und nach dem Schreiben erleben, wo sie Unterstützung erfahren, wo Grenzen sichtbar werden und weshalb der Umgang mit KI in der Schule gelernt werden muss.
- Mögliche Aufgabenstellungen
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Vorbereitung / Einstieg: KI-Nutzung und Schreiben
Die Schülerinnen und Schüler setzen sich zuerst mit ihrer bisherigen KI-Nutzung und ihrer Haltung gegenüber KI auseinander. Die Lehrperson holt mit einer Umfrage (siehe «Mögliche Reflexionsfragen») ab, welche KI-Tools die Klasse bereits kennt und nutzt, wie sie KI im Schreibprozess einschätzt und wo sie Chancen oder Schwierigkeiten sieht. Die Auswertung wird im Plenum besprochen und dient als Ausgangspunkt für die Frage, wie KI beim Schreiben unterstützen kann, ohne den eigenen Denk- und Lernprozess zu ersetzen. In der dokumentierten Umsetzung wurde die Ausgangslage der Klasse mit Forms erhoben und grafisch ausgewertet (siehe Materialien zur Unterrichtsvorbereitung: «Forms-Umfragen zur Ausgangslage der Klasse»).Ergänzend kann die Lehrperson mit der Klasse klären, welche Rollen KI im Schreibprozess einnehmen kann: als Ghostwriter, als Writing Tutor oder als Writing Partner (in Anlehnung an Steinhoff, 2025 1). Ziel ist, dass die Schülerinnen und Schüler verstehen, dass in dieser Unterrichtseinheit nicht das Abgeben eines KI-Produkts im Zentrum steht, sondern das bewusste Nutzen von KI-Rückmeldungen für den eigenen Schreibprozess.
Aufgabe mit Fokus «KI als Partnerin im Schreibprozess»: Vom Gedicht zum Rap
Ausgehend von der Auseinandersetzung mit Lyrik schreiben die Schülerinnen und Schüler eigene Texte, die sie im Musikunterricht zu Raptexten weiterentwickeln. Während des Schreibens nutzen sie einen von der Lehrperson vorbereiteten Prompt (siehe Materialien für den Unterricht), mit dem die KI als kreative Schreibpartnerin zum Einsatz kommt. Die Schülerinnen und Schüler teilen mit der KI nur ihre ersten Ideen und Entwurfsskizzen,nicht den vollständig ausgearbeiteten Raptext.Im Prompt wird definiert, dass die KI Rechtschreib- und Grammatikfehler sichtbar macht, Rückmeldungen zu Aufbau, Inhalt und Stil gibt und Vorschläge zu Flow, Reimen oder rhetorischen Stilmitteln macht. Wichtig ist: Die KI nimmt keine direkten Änderungen am Text vor, sondern formuliert lediglich Vorschläge.
Die Schülerinnen und Schüler bearbeiten ihren Raptext in Word oder einem vergleichbaren digitalen Textverarbeitungsprogramm weiter. Sie markieren übernommene oder verworfene Vorschläge, nutzen die Kommentarfunktion und begründen damit, weshalb sie eine Formulierung verändern, beibehalten oder einen Vorschlag ablehnen (siehe Materialien zur Unterrichtsvorbereitung: «Raptext mit KI während des Formulierens überarbeiten»). Ein Peer-Feedback kann ebenfalls über die Kommentarfunktion erfolgen.
Abschliessend wird erneut eine Umfrage zu dieser KI-Schreibpartnerschaft während des Schreibens durchgeführt. Die Antworten werden in der Klasse reflektiert (siehe «Mögliche Reflexionsfragen»). Dabei kann auch thematisiert werden, dass sich gewisse Schülerinnen und Schüler selbst als ausreichend kompetent erleben und KI lieber gar nicht nutzen möchten oder dass sie solche Aufgaben lieber im Austausch mit Mitschülerinnen und Mitschülern bearbeiten.
Aufgabe mit Fokus «KI als Partnerin beim Überarbeiten» (Argumentativer Text schreiben)
Im Fach Deutsch schreiben die Schülerinnen und Schüler einen argumentativen Text, zum Beispiel zur Frage: «Sollten Schulnoten abgeschafft werden?» Zuerst verfassen sie einen eigenen Entwurf ohne KI. Um sicherzustellen, dass dieser Entwurf nicht mit KI geschrieben wird, finden sowohl die Planungsphase mit Stift und Papier als auch die Schreibphase im Klassenverband statt.Erst danach wenden die Schülerinnen und Schüler einen vorbereiteten Prompt an (siehe Materialien für den Unterricht), der die KI als Schreibpartnerin für den Überarbeitungsprozess nutzt. Die KI prüft Aufbau und Argumentationsstruktur, gibt Rückmeldungen zur inhaltlichen Qualität der Argumente und weist auf Fehler in Rechtschreibung und Grammatik hin. Dazu erstellt die KI eine strukturierte Analyse mit konkreten Verbesserungsvorschlägen.
Die Schülerinnen und Schüler entscheiden anschliessend, welche Vorschläge sie aufnehmen möchten. Sie überarbeiten ihren Text gezielt und machen mit der Kommentarfunktion sichtbar, weshalb sie bestimmte Rückmeldungen der KI übernehmen oder nicht übernehmen (siehe Materialien zur Unterrichtsvorbereitung: «Argumentativen Text mit KI-Feedback überarbeiten»).
Danach erhalten sie ebenfalls über die Kommentarfunktion Feedback von zwei Mitschülerinnen oder Mitschülern und, falls gewünscht oder vorgesehen, von der Lehrperson. Auf dieser Basis überarbeiten sie ihren Text erneut (siehe Materialien zur Unterrichtsvorbereitung: «Argumentativen Text mit KI-Feedback und Peer-Feedback überarbeiten»).
Abschliessend wird wiederum eine Umfrage zu dieser KI-Schreibpartnerschaft nach dem Schreiben durchgeführt. Die Antworten werden in der Klasse reflektiert (siehe «Mögliche Reflexionsfragen»).
Dabei ist es relevant, explizit auf Selbstregulation einzugehen. Schreiben und Überarbeiten bleiben anspruchsvoll, wenn mit einem solchen Prompt gearbeitet wird und die Verantwortung klar bei der Autorin oder beim Autor bleiben soll. Genau hier liegt die Schwierigkeit: Die Anstrengung und damit auch die Textverantwortung dürfen nicht an die KI übertragen werden.
Aufgabe mit Fokus «KI als Partnerin beim Ideensammeln»: Argumente entwickeln und gewichten (Argumentativen Text schreiben)
In einer weiteren Sequenz nutzen die Schülerinnen und Schüler KI bereits vor dem Schreiben als Brainstorming-Partnerin. Zu einer vorgegebenen Fragestellung sammeln sie zuerst in Einzelarbeit eigene Pro- und Kontra-Argumente und vergleichen diese anschliessend mit KI-generierten Vorschlägen.Für diese Aufgabe formulieren die Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Prompts. Sie werden dabei von der Lehrperson im Unterricht unterstützt, indem KI-Chatverläufe gemeinsam betrachtet und reflektiert werden. Die Schülerinnen und Schüler prüfen, ob die Argumente zur Fragestellung passen, ob sie als Argument, Begründung und Beispiel ausgearbeitet sind und wie stark sie gewichtet werden können. In Partnerinnen- und Partnerarbeit ordnen sie die Argumente und entwickeln daraus den Hauptteil eines argumentativen Textes.
Diese Phase eignet sich besonders gut, um die Qualität von Prompts und KI-Antworten zu thematisieren: Haben die Schülerinnen und Schüler der KI eine klare Aufgabe gestellt? Entspricht die Antwort der Textsorte und dem Schreibziel? Wo hilft KI beim Denken weiter – und wo muss der Mensch prüfen, auswählen und entscheiden?
Auch diese Sequenz schliesst mit einer Umfrage zu KI als Brainstorming-Partnerin vor dem Schreiben ab. Die Antworten werden in der Klasse reflektiert (siehe «Mögliche Reflexionsfragen» und Materialien zur Unterrichtsvorbereitung: «KI als Brainstorming-Partner vor dem Schreiben reflektieren»).
Abschluss / Reflexion
Über die ganze Unterrichtseinheit hinweg reflektieren die Schülerinnen und Schüler ihren KI-Einsatz mit kurzen Umfragen. Sie beantworten Fragen dazu, wie hilfreich KI beim Planen, Formulieren oder Überarbeiten war, welche Vorschläge sie übernommen haben, wo KI gestört oder den Schreibfluss unterbrochen hat und weshalb der Umgang mit KI in der Schule gelernt werden sollte.Die Rückmeldungen werden anonymisiert ausgewertet und im Unterricht besprochen. In der dokumentierten Umsetzung wurde damit sichtbar, dass Lernende KI sowohl als Unterstützung für Formulierungen, Rechtschreibung, Struktur und Ideen erleben als auch Grenzen wahrnehmen, etwa wenn Vorschläge nicht passen oder den eigenen Schreibfluss stören.
Die Reflexion kann abschliessend in eine kurze persönliche Standortbestimmung münden: Wie nutze ich KI so, dass sie mein Schreibenlernen unterstützt? Was muss ich selbst leisten? Wann ist KI hilfreich, wann hinderlich? Und wie mache ich transparent, was von mir stammt und wo KI mitgewirkt hat? Als Material zur Veranschaulichung kann das «Gesamtfazit der Klasse zum Schreiben mit KI» genutzt werden (siehe Materialien zur Unterrichtsvorbereitung).
1 Steinhoff, Torsten / Lehnen, Katrin (2025): Schreiben mit Künstlicher Intelligenz: Das GPT-Modell (Ghost, Partner, Tutor). https://xn--leserume-4za.de/wp-content/uploads/2025/06/Steinhoff-Lehnen-2025-LR-JG12-H11.pdf.
(vgl. Hinweis auf Podcast unter Materialien für die Unterrichtsvorbereitung) - Mögliche Reflexionsfragen
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Die folgenden Fragestellungen zur KI-Nutzung können beispielsweise in eine Forms-Umfrage eingebaut werden. Die Umfrage-Ergebnisse dienen dann als Ausgangspunkt, um mit den Schülerinnen und Schülern ins Gespräch zu kommen.
Ausgangslage erfassen / vor der Unterrichtsumsetzung:
- Wie oft nutzt du bisher KI (z. B. ChatGPT, CoPilot, Gemini etc.)?
(noch nie, selten (1x pro Monat), manchmal (1x pro Woche), oft (mehrmals pro Woche), täglich, mehrmals pro Tag; Ergebnisse z. B. als Balkendiagramm) - Welche KI-Tools hast du bisher genutzt?
(Auswahl z. B. ChatGPT, CoPilot, Gemini, Claude, DeepLWrite, Sonstiges; Ergebnisse z. B. als Balkendiagramm) - Wie ist deine Einstellung zu KI?
(sehr positiv, eher positiv, neutral, eher negativ, sehr negativ; Ergebnisse z. B. als Kreisdiagramm) - Begründe deine Antwort: Wie ist deine Einstellung zu KI?
(Textantwort) - Wie fühlst du dich, wenn du KI nutzt?
(Textantwort) - Wie findest du es generell, Texte selbst (ohne KI) zu schreiben?
(sehr einfach, eher einfach, mittel, eher schwierig, sehr schwierig; Ergebnisse z. B. als Säulendiagramm) - Wie findest du es, Texte mit KI zu schreiben?
(sehr einfach, eher einfach, mittel, eher schwierig, sehr schwierig; Ergebnisse z. B. als Säulendiagramm) - Was fällt dir beim Schreiben eines Textes mit KI am schwersten?
(Textantwort)
Rückblick auf die KI-Nutzung während des Schreibens beim Raptext:
- Wie gut konntest du deinen Text WÄHREND des Schreibens mit KI optimieren?
(sehr gut, eher gut, mittel, eher schlecht, sehr schlecht; Ergebnisse z. B. als Säulendiagramm) - Was fandest du gut am Einsatz von KI WÄHREND des Schreibens?
(Textantwort) - Was fandest du schlecht/schwierig am Einsatz von KI WÄHREND des Schreibens?
(Textantwort)
Rückblick auf die KI-Nutzung nach dem Schreiben beim argumentativen Text:
- Wie gut konntest du deinen eigenen Text (nach dem Schreiben) mit KI überarbeiten?
(sehr gut, eher gut, mittel, eher schlecht, sehr schlecht; Ergebnisse z. B. als Säulendiagramm) - Was fandest du gut am Einsatz von KI NACH des Schreibens?
(Textantwort) - Was fandest du schlecht/schwierig am Einsatz von KI NACH des Schreibens?
(Textantwort) - Wie gut ist es dir gelungen, die von KI übernommenen Textstellen in Word zu markieren und zu begründen?
(sehr gut, eher gut, mittel, eher schlecht, sehr schlecht; Ergebnisse z. B. als Säulendiagramm) - Hast du immer alle Textstellen markiert, di du mit KI verbessert hast? Wie ehrlich warst du mit dir selbst?
(Ich habe alles markiert, Ich habe fast alles markiert, Ich habe nur wenig markiert; Ergebnisse z. B. als Säulendiagramm)
Rückblick auf die KI-Nutzung VOR dem Schreiben als Brainstorming-Partner:
- Was fandest du gut beim Einsatz von KI VOR dem Schreiben?
(Textantwort)
Gesamtfazit zu «Schreiben mit KI»:
- Welche Variante fiel dir beim Schreiben mit KI in dieser Unterrichtseinheit am leichtesten?
(KI-Einsatz VOR dem Schreiben: Ideen sammeln, Brainstorming-Partner; KI-Einsatz WÄHREND dem Schreiben (Raptext), KI-Einsatz NACH dem Schreiben: ganzer Entwurf schreiben und am Ende optimieren, Alles war für mich gleich; Ergebnisse z. B. als Kreisdiagramm) - Wann findest du den Einsatz von KI im Schreibunterricht sinnvoll?
(KI-Einsatz VOR dem Schreiben: Ideen sammeln, Brainstorming-Partner; KI-Einsatz WÄHREND dem Schreiben (Raptext), KI-Einsatz NACH dem Schreiben: ganzer Entwurf schreiben und am Ende optimieren, für mich sind alle Varianten gleich sinnvoll, man sollte es gar nicht nutzen und lieber ohne KI schreiben; Ergebnisse z. B. als Kreisdiagramm) - Findest du es wichtig, dass man den Umgang mit KI in der Schule lernt?
(Textantwort)
Weitere Reflexionsfragen, die sich für ein Klassengespräch eignen:
- Was konnte dir die KI bieten, das Peer- oder Lehrpersonenfeedback in diesem Moment nicht bieten konnte?
- Bei welchen Rückmeldungen war ein Mensch hilfreicher als die KI?
- Was musstest du der KI erklären, damit ihre Rückmeldung zu deinem Schreibziel passte?
- Woran erkennst du, ob ein KI-Vorschlag deinen Text tatsächlich verbessert?
- Wer trägt am Ende die Verantwortung für den Text – und woran wird das sichtbar?
- Wie oft nutzt du bisher KI (z. B. ChatGPT, CoPilot, Gemini etc.)?
Materialien für die Unterrichtsvorbereitung
Für die Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern sollten KI-Tools genutzt werden, die für den schulischen Kontext vorgesehen sind und bei denen Datenschutz, Zugänge und Freigaben durch die Lehrperson geregelt werden können, z.B. fobizz oder Schabi-KI . fobizz beschreibt seine KI-Tools als DSGVO-konform, werbefrei und ohne Registrierung der Schülerinnen und Schülern nutzbar. Schabi ermöglicht den Einsatz von KI-Diensten in der Schule mit Freigabe durch die Lehrperson; die Lehrperson behält Zugriff auf die Chatverläufe, personenbezogene Metadaten werden gemäss Anbieter vor der Weiterleitung gelöscht.
Als Ausgangslage zum Schreiben argumentativer Text kann bspw. das Schreibarrangements “Smash!” genutzt werden:
Zusatzmaterialien Schreiben wirksam fördern | hep Verlag → Schreibstrategien, Smash! Nr. 56-58
Fachdidaktische Vertiefung
Podcast: KI im Deutschunterricht - Perspektiven auf Theorie und Praxis
Folge: Schreiben mit Künstlicher Intelligenz - Das GPT-Modell (Ghost, Partner, Tutor); Kathrin Lehnen
Wer schreibt eigentlich, wenn Menschen mit KI schreiben? Katrin Lehnen erläutert das gemeinsam mit Thorsten Steinhoff entwickelte GPT-Modell: KI kann als Ghost, Tutor oder Partner auftreten, der Mensch als Client, Learner oder Explorer. Im Gespräch geht es um Delegation, Lernen und gemeinsames Erkunden, um die erkenntnisbildende Funktion des Schreibens und um Aufgaben- und Prüfungsformate, die KI nicht ausblenden, sondern reflektiert integrieren.
Weiterführende Ideen
Die Unterrichtsidee kann auf weitere Schreibanlässe, beispielsweise aus den gängigen Lehrmitteln, übertragen werden. Sie eignet sich zum Beispiel für Stellungnahmen, Rezensionen, Kommentare, Bewerbungsbriefe oder Zusammenfassungen. Dabei kann jeweils neu entschieden werden, ob KI vor, während oder nach dem Schreiben eingesetzt wird
Dieser Ansatz lässt sich auch auf andere Fächer adaptieren, in denen Texte geplant, formuliert, überarbeitet und reflektiert werden, etwa auf das Schreiben von Versuchsprotokollen in NT, Lernberichten in RZG oder WAH, Erklärtexten in NMG oder Präsentationstexten in Fremdsprachen.
Weiterführend können Schülerinnen und Schüler eigene Prompts entwickeln, vergleichen und beurteilen oder ein Schreibjournal führen, in dem sie ihren KI-Einsatz dokumentieren und reflektieren.
Auch Fragen zum Schreibprozess an sich oder zu Urheberschaft bieten sich zur Vertiefung an: Wie wird sichtbar, was selbst erarbeitet und was mit KI weiterentwickelt wurde? Welche Rolle spielt der Schreibprozess gegenüber dem fertigen Produkt? Wie wird das eigene Lernen sichtbar gemacht?
Ebenso können ethische Fragestellungen in den Raum gestellt und aufgegriffen werden:
Wie gehe ich als versierter Schreiber oder versierte Schreiberin damit um, dass nun auch andere mithilfe von KI gute Schreibprodukte erstellen können? Welche KI nutze ich persönlich, welche Firma steckt dahinter? Welche Einstellung habe ich zum Ressourcenverbrauch von KI?
Beispiele
Diese Unterrichtsidee stammt von Annina Hauser, Bezirksschule Wettingen und wurde mit einer 9. Klasse umgesetzt. Die folgenden Screenshots dienen zur Inspiration und Veranschaulichungen und wurden von Annina Hauser zur Verfügung gestellt.
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Befragung Ausgangslage 1
Forms-Umfragen zur Ausgangslage der Klasse, 1. Teil
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Befragung Ausgangslage 2
Forms-Umfragen zur Ausgangslage der Klasse, 2. Teil
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Rap-Text
Rap-Text mit KI während des Formulierens überarbeiten
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Feedback Argumentativer Text
Argumentativen Text mit KI-Feedback überarbeiten
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Peer- und KI-Feedback
Argumentativen Text mit KI-Feedback und Peer-Feedback überarbeiten
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Gesamtfazit
Gesamtfazit der Klasse zum Schreiben mit KI
Lehrplan 21
- Medien und Informatik - 1.1
- Leben in der Mediengesellschaft: Die Schülerinnen und Schüler können sich in der physischen Umwelt sowie in medialen und virtuellen Lebensräumen orientieren und sich darin entsprechend den Gesetzen, Regeln und Wertesystemen verhalten.
- Medien und Informatik - 1.3
- Medien und Medienbeiträge produzieren: Die Schülerinnen und Schüler können Gedanken, Meinungen, Erfahrungen und Wissen in Medienbeiträge umsetzen und unter Einbezug der Gesetze, Regeln und Wertesysteme auch veröffentlichen.
- Medien und Informatik - 1.4
- Mit Medien kommunizieren und kooperieren: Die Schülerinnen und Schüler können Medien interaktiv nutzen sowie mit anderen kommunizieren und kooperieren.
- Medien und Informatik - Anwendungskompetenz - Produktion und Präsentation
- Sprachen - D.4.A.1
- Die Schülerinnen und Schüler können in einer persönlichen Handschrift leserlich und geläufig schreiben und die Tastatur geläufig nutzen. Sie entwickeln eine ausreichende Schreibflüssigkeit, um genügend Kapazität für die höheren Schreibprozesse zu haben. Sie können ihren produktiven Wortschatz und Satzmuster aktivieren, um flüssig formulieren und schreiben zu können.
- Sprachen - D.4.C.1
- Die Schülerinnen und Schüler können ein Repertoire an angemessenen Vorgehensweisen zum Ideenfinden und Planen aufbauen und dieses im Schreibprozess zielführend einsetzen.
- Sprachen - D.4.E.1
- Die Schülerinnen und Schüler können ihren Text in Bezug auf Schreibziel und Textsortenvorgaben inhaltlich überarbeiten.
- Sprachen - D.4.F.1
- Die Schülerinnen und Schüler können ihren Text in Bezug auf Rechtschreibung und Grammatik überarbeiten.
- Sprachen - D.4.G.1
- Die Schülerinnen und Schüler können über ihren Schreibprozess und ihre Schreibprodukte nachdenken und deren Qualität einschätzen.
- Musik - MU.1.B.1
- Die Schülerinnen und Schüler können ihre Stimme und deren klanglichen Ausdruck wahrnehmen, entwickeln und formen.
Zudem lassen sich mit diesem Unterrichtsbeispiel überfachliche Kompetenzen fördern:
Personale Kompetenzen / Selbstreflexion: Die Schülerinnen und Schüler können auf Lernwege zurückschauen, diese beschreiben und beurteilen sowie eigene Einschätzungen mit Einschätzungen von aussen vergleichen.
Soziale Kompetenzen / Aufgaben und Probleme lösen: Die Schülerinnen und Schüler können Lern- und Arbeitsprozesse durchführen, dokumentieren und reflektieren.
Handlungsfelder
Die sieben Handlungsfelder bilden zusammen den Orientierungsrahmen von mi4u. Es handelt sich hierbei um ein systemisches Konstrukt, welches die innere didaktische Logik des Orientierungsrahmens abbildet und somit als stufen- und fachübergreifendes Instrument für Schulentwicklung dient.
Materialien
Unter Materialien findet sich eine strukturierte Sammlung unterschiedlicher Quellen (Dokumente, Links, Hilfsmittel u.a.). Dieses Material unterstützt Lehrpersonen sowohl beim Aufbau des Fachwissens als auch bei der Planung des Unterrichts.
MyLessons
Sammeln und Planen: Mit MyLessons tragen Sie Ihre persönliche Sammlung an Unterrichtsideen zusammen– eine Grundlage für Ihre Jahresplanung. Mit der Erweiterung um das Element «MyLessons» lässt sich diese Schatzkiste nun personalisieren und gezielter für die Jahresplanung nutzen.
