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Unterrichtsidee

Was ist denn hier passiert?

Bilderbuch und Animationsfilm in einem Projekt vereint: Ein Buch ohne Text, voller absurder Szenarien, so dass man sich fragt: «Was ist denn hier passiert?»

Beschreibung

Die beiden Bilderbücher «Was ist denn hier passiert?» und «Und was passiert jetzt?» laden zum genauen Hinschauen, Rätseln und Fabulieren ein. Die Bilder zeigen jeweils eine skurrile Momentaufnahme. Über einen QR-Code lässt sich dazu ein kurzer Trickfilm aufrufen: Im einen Buch erzählt er die Vorgeschichte und zeigt, wie es zu dieser Situation gekommen ist, im anderen führt er die Szene weiter und zeigt, was danach geschieht.

Bevor die Kinder den Trickfilm anschauen, tauchen sie selbst in die Bilder ein. Sie beobachten, beschreiben, stellen Vermutungen an und erfinden eigene Geschichten. Dabei denken sie zeitlich vor und zurück: Was könnte vorher geschehen sein? Was passiert gerade? Und wie könnte die Geschichte weitergehen? Unterschiedliche Figuren laden zudem zum Perspektivenwechsel ein: Wie erlebt eine Figur die Situation, wie eine andere? So entstehen aus derselben Momentaufnahme ganz unterschiedliche Erzählungen.

Im Zentrum steht damit das sprachliche Denken. Die Kinder entwickeln Erzählzusammenhänge, suchen nach Ursachen und Folgen, gestalten Spannungsbögen und erweitern ihre Möglichkeiten, Geschichten abwechslungsreicher zu erzählen. Gleichzeitig erfahren sie, dass mehrere Deutungen nebeneinander bestehen können und eine Situation je nach Perspektive anders erzählt wird.

Daran schliesst das Gestalten als Denkprozess an. Die Kinder können eigene rätselhafte Schluss- oder Ausgangsbilder entwickeln, Szenen mit Spielmaterial arrangieren, fotografieren und daraus eine Bild-, Ton- oder Videogeschichte gestalten. Dabei treffen sie bewusste Entscheidungen: Was soll auf dem Bild sichtbar sein? Was bleibt offen? Welche Szene weckt Neugier? Wie lässt sich eine Geschichte mit Bildern, Sprache, Ton und Bewegung verständlich und wirkungsvoll erzählen? Wie auch in anderen mia4u-Unterrichtsbeispielen werden so kreatives Gestalten, Medienproduktion und Reflexion miteinander verbunden.

Im Kontext der Fragen, wie Kinder auf eine Welt, geprägt von KI, vorbereitet werden können, entwickelt diese Unterrichtsidee eine weitere Dimension: 
Kinder erleben, dass spannende Geschichten aus eigener Fantasie, Beobachtung, Erfahrung und dem Austausch mit anderen entstehen. Sie entwickeln Vertrauen in die eigene Vorstellungskraft und lernen, zwischen Beobachtetem, Vermutetem und Erfundenem zu unterscheiden. Damit stärkt die Einheit grundlegende Fähigkeiten, auf denen ein späterer selbstbestimmter und reflektierter Umgang mit generativer KI aufbauen kann.


Mögliche Aufgabenstellungen

Geschichten mit dem Buch und den QR-Codes entdecken

  • Die Kinder betrachten zunächst ein ausgewähltes Bild aus einem der beiden Bücher, ohne den QR-Code zu scannen. Sie beschreiben möglichst genau, was sie sehen, und sammeln Vermutungen: Was ist hier passiert? Was könnte vorher geschehen sein? Oder: Was könnte als Nächstes passieren?
  • Die Lehrperson greift die Ideen der Kinder auf, fragt nach und regt dazu an, Zusammenhänge genauer zu erzählen. Dabei kann sie gezielt Impulse geben wie: «Was könnte der Grund dafür sein?», «Was ist wohl kurz vorher passiert?», «Wie könnte es weitergehen?» oder «Woran erkennst du das?»
  • Die Kinder erzählen die Situation aus unterschiedlichen Perspektiven. Wie erlebt eine Figur die Szene? Was würde eine andere Figur erzählen? Was könnte sie wissen, was eine andere nicht weiss? So wird sichtbar, dass dieselbe Momentaufnahme unterschiedlich gedeutet und erzählt werden kann.
  • Erst anschliessend wird der QR-Code gescannt und der Trickfilm angeschaut. Die Kinder vergleichen ihre eigenen Ideen mit der filmischen Geschichte: Was war ähnlich? Was ganz anders? Welche Idee fanden sie besonders überraschend oder lustig?
  • In Kleingruppen betrachten die Kinder weitere Bilder selbständig. Sie tauschen sich über mögliche Vorgeschichten oder Fortsetzungen aus und halten zentrale Ideen zeichnerisch oder mit wenigen Stichworten fest. Im Plenum werden verschiedene Deutungen gesammelt, bevor die Trickfilme als eine mögliche Auflösung angeschaut werden.
  • Buch und Tablet können während der Unterrichtssequenz frei zugänglich bleiben, damit die Kinder Bilder und Filme erneut betrachten, vergleichen und weitererzählen können.

Eigene Geschichten produzieren

  • In Kleingruppen erfinden die Kinder eine eigene kurze Geschichte. Ausgangspunkt kann entweder ein rätselhaftes Schlussbild sein, zu dem eine Vorgeschichte entwickelt wird, oder eine Ausgangsszene, aus der sich eine Fortsetzung ergibt.
  • Die Kinder planen ihre Geschichte zunächst mündlich: Was geschieht zuerst? Was führt zur entscheidenden Situation? Was verändert sich? Wie endet die Geschichte? Die Lehrperson unterstützt sie dabei, zeitliche Zusammenhänge deutlich zu machen.
  • Anschliessend gestalten die Kinder einzelne Szenen mit Spielmaterial wie Lego, Playmobil, Tieren, Puppen, Tüchern oder Naturmaterialien. Sie überlegen dabei bewusst, was auf dem Bild sichtbar sein soll und was offenbleiben muss, damit andere Kinder rätseln können.
  • Die Szenen werden mit dem Tablet fotografiert. Aus den Bildern entsteht beispielsweise im Book Creator ein einfaches Bilderbuch. Die Kinder erzählen ihre Geschichte als Tonaufnahme zu den Bildern.
  • Je nach Schwerpunkt kann die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven erzählt werden: einmal aus der Sicht einer Hauptfigur, einmal aus der Sicht einer Nebenfigur oder eines Gegenstands. Die Kinder vergleichen, wie sich die Geschichte dadurch verändert.
  • Zum Abschluss wird nur das Ausgangs- oder Schlussbild im Plenum gezeigt. Die Klasse erfindet dazu eigene Geschichten. Erst danach wird die von der Gruppe produzierte Bild- und Tongeschichte gezeigt. So erleben die Kinder unmittelbar, dass aus derselben Situation viele unterschiedliche, stimmige Geschichten entstehen können.
  • In einer gemeinsamen Rückschau wird besprochen, welche Ideen aus eigener Fantasie entstanden sind, welche Beobachtungen aus dem Bild übernommen wurden und an welchen Stellen bewusst etwas erfunden wurde. Damit wird eine Grundlage gelegt, später auch medial erzeugte oder generierte Geschichten kritisch einordnen zu können.
Mögliche Reflexionsfragen
  • Was hast du auf dem Bild wirklich gesehen – und was hast du dir dazu ausgedacht?
  • Was könnte vorher passiert sein? Was könnte nachher passieren?
  • Welche Hinweise im Bild haben dich auf deine Idee gebracht?
  • Wie verändert sich die Geschichte, wenn sie eine andere Figur erzählt?
  • Was macht eine Geschichte spannend, überraschend oder lustig?
  • Was musste in eurem Bild sichtbar sein, damit andere eure Geschichte verstehen oder neugierig werden?
  • Was habt ihr beim Gestalten bewusst weggelassen, damit noch Raum zum Rätseln bleibt?
  • Wie war es, eine Geschichte gemeinsam zu erfinden? Wie habt ihr euch entschieden, wenn ihr unterschiedliche Ideen hattet?
  • Woran merken wir, dass eine Geschichte erfunden ist? Kann etwas erfunden sein und trotzdem glaubwürdig klingen?
  • Was können Menschen beim Geschichtenerfinden besonders gut? Welche Fähigkeiten brauchen wir, damit unsere Geschichten wirklich unsere eigenen werden?

     

Materialien für den Unterricht

Bücher: 

  • Neuhaus, Julia; Penzek, Till (2015): Was ist denn hier passiert? Verlag Tulipan. ISBN: 978-3-86429-214-9
  • Neuhaus, Julia; Penzek, Till (2024): Und was passiert jetzt? Verlag Tulipan. ISBN: 978-3-86429-634-5

Tablet mit QR-Code-Reader 

Beispiele

Monika Müller (Zofingen) & Verena Schmid (Strengelbach AG) haben mit ihren Kindergartenklassen eigene "Was ist denn da passiert"-Geschichten produziert und geben hier einen Einblick:

Lehrplan 21

Medien und Informatik - 1.2
Medien und Medienbeiträge verstehen: Die Schülerinnen und Schüler können Medien und Medienbeiträge entschlüsseln, reflektieren und nutzen.
Medien und Informatik - Anwendungskompetenz - Handhabung
Gestalten - BG.2.C.1
Die Schülerinnen und Schüler können die Wirkung bildnerischer Verfahren untersuchen und für ihre Bildidee nutzen.
Gestalten - BG.1.A.2
Die Schülerinnen und Schüler können bildhaft anschauliche Vorstellungen aufbauen, weiterentwickeln und darüber diskutieren.
Gestalten - BG.2.A.1
Die Schülerinnen und Schüler können eigenständige Bildideen zu unterschiedlichen Situationen und Themen alleine oder in Gruppen entwickeln.
Sprachen - D.3.B.1
Die Schülerinnen und Schüler können sich in monologischen Situationen angemessen und verständlich ausdrücken.
Sprachen - D.3.C.1
Die Schülerinnen und Schüler können sich aktiv an einem Dialog beteiligen.
Sprachen - D.6.A.1
Die Schülerinnen und Schüler können spielerisch und kreativ gestaltend mit literarischen Texten umgehen.

Für Zyklus 1 sind zusätzlich drei entwicklungsorientierte Zugänge besonders treffend:

Fantasie und Kreativität: Kinder probieren Ausdrucksmöglichkeiten für Erlebtes und Erdachtes aus, denken Wahrgenommenes weiter und entwickeln ungewohnte Sichtweisen und Lösungen.

Sprache und Kommunikation: Kinder gestalten vielfältige Sprechanlässe, darunter Erzählungen, Beschreibungen, Geschichten und Spielsituationen, und erweitern dabei Wortschatz und Ausdrucksmöglichkeiten.

Eigenständigkeit und soziales Handeln: Der Lehrplan nennt ausdrücklich, dass Kinder lernen, Überlegungen anderer in das eigene Denken einzubeziehen (Perspektivenübernahme), Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten entwickeln und mit anderen kooperieren. Daran lässt sich mit diesem Unterrichtsbeispiel sehr gut arbeiten. 

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